Unsere Tochter bleibt zu Hause – Teil 2

IMG_0982Kita-frei durchs Kleinkindalter – Teil 2

Unsere Tochter bekommt also vormittags eine Einzelbetreuung, Antonia ist jedoch meistens zu Hause. Sollte etwas passieren, ist sie da. Der häufigste Einwand an dieser Stelle ist, dass das Kind keine sozialen Kontakte pflegt. Hier widerspreche ich gerade in den ersten Lebensjahren. Die sozialen Kontakte in einer Kita mit anderen Kindern tragen nicht oder nur wenig dazu bei, ein Gefühl von Sozialverhalten zu vermitteln. Ein Kind muss sich an einer Leitperson orientieren – und das können zunächst nur Erwachsene sein. Werte und Moral können durch andere Kleinkinder nicht vermittelt werden. Jemanden zu haben, der sich ganz in unserem Sinne nur um unsere Tochter kümmert ist für sie eine wundervolle Sache.

„Ihr verwöhnt das Kind!“

So oder so ähnlich ist dann die entsprechende Entgegnung. Auch hier ist es unsere feste Überzeugung, dass man ein Kleinkind weder mit Zeit noch mit Liebe verwöhnen kann. Der berüchtigte „Ernst des Lebens“ ist nichts, was man einem Kind bereits in jungen Jahren beibringen muss. Schon gar nicht im Kleinkindalter.

Doch was ist mit anderen sozialen Kontakten? Wir füllen unsere Nachmittage mit entsprechenden Aktivitäten. Ballett, Kinderturnen, auch der Besuch auf dem Spielplatz um die Ecke bietet unserer Tochter die Möglichkeit der Interaktionen mit anderen Kindern. Wir sind überzeugt, dass unsere Tochter im Vergleich zu anderen Kindern in diesen Teilaspekten nicht rückständig ist. Oft müssen wir feststellen, dass Kinder insbesondere ein Prinzip lernen, wenn sie schon früh in einer entsprechenden Gruppe sind: Das Überleben des Stärksten. Gibt es ein Spielzeug für zwei Personen, bekommt es die, die größer ist, die stärker ist. Meiner Meinung nach muss man auch das nicht im Kleinkindalter lernen. Da ist es besser, in den entsprechenden Situationen in der Lage zu sein, Alternativlösungen anzubieten. Und das ist nun einmal nicht gewährleistet, wenn eine Betreuungsperson auf teilweise über 15 Kinder gleichzeitig achten muss.

Sie ist jetzt fast vier Jahre alt. Es wäre das typische Eintrittsalter für den Kindergarten. Und natürlich wurden wir wieder gefragt, in welchen Kindergarten sie nun geht. Es wurde nicht gefragt, ob sie überhaupt in einen geht. Wenn wir antworten, dass wir sie auch dieses Jahr nicht in den Kindergarten geben, blicken wir in große Augen. Unverständnis. Einmal wurden wir sogar gefragt, ob man das darf. Und das von einer Mutter, die selbst Kinder in dem Alter hat!

_MG_4743Unsere Tochter ist inzwischen so alt, dass wir gute Gespräche mit ihr führen können. Sie weiß, was sie will und kann das auch zum Ausdruck bringen. Sicher, ein Kind weiß nicht immer, was gut für es ist. Und es in alle Entscheidungen einzubeziehen ist auch nicht immer richtig. Aber wir haben mit ihr einige Kindergärten angeguckt. Haben ihr erklärt, was es heißt, im Kindergarten zu sein. Und sie möchte es auf keinen Fall. Ihr gefällt es wunderbar bei uns zu Hause.
Uns ist es recht. Denn wir denken, dass wir gerade jetzt ein absolut falsches Zeichen setzen würden, gäben wir sie in einen Kindergarten. Die zweite Tochter wird geboren – und in dem Moment schieben wir die ältere Tochter ab. Bisher lassen wir sie an jedem Aspekt der Schwangerschaft teilhaben. Täglich beziehen wir Sie ein und erklären Ihr alles, was sie wissen möchte. Sie weiß, wie Kinder entstehen, wie sie im Bauch wachsen und hat bereits eine Vorstellung davon, wie es ist, ein Baby im Haus zu haben. Sie soll auch in der Zeit nach der Geburt die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient. Soll ihre Schwester aufwachsen sehen und nicht das Gefühl bekommen, ab jetzt zweite Wahl zu sein. Und wir können das bewerkstelligen. Meine Frau arbeitet weiterhin den größten Teil von zu Hause und ich werde mindestens zwei Jahre in Elternzeit gehen. Gemeinsam mit meiner Mutter haben wir die Kapazitäten für eine durchgehende Betreuung. Und warum sollten wir das dann nicht nutzen?

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