Unsere Tochter bleibt zu Hause – Teil 3

_MG_4743Kita-frei durchs Kleinkindalter – Teil 3

,,Das können wir uns nicht leisten!“

Einer der häufigsten Gründe die wir hören, warum Eltern sofort nach einem Jahr das Kind in eine Fremdbetreuung geben ist der, dass das Geld sonst knapp ist. Überhaupt begegnet mir diese Aussage in meinem Arbeitsleben als Bankkaufmann sehr häufig. Die Kunden, die ich betreue, können es sich nicht leisten, im Monat 50€ zu sparen, um nicht ständig einen Kredit für den Urlaub aufnehmen zu müssen. Gleichzeitig rauchen sie, bestellen alle zwei Tage Pizza ins Haus, genießen ein Sky-Abo für über 60€ im Monat, fahren ein dickes Auto, haben immer das neueste iPhone mit der größten Flatrate die es gibt. Klar, ich übertreibe hier. Es gibt selbstverständlich viele Menschen, auf die diese Aufzählung nicht zutrifft und die sich wirklich jeden Cent von den Rippen absparen müssen. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass die in der Minderheit sind. Es ist zumeist eine Frage der Disziplin und des Wollens.
Viele Menschen sind nicht bereit, den Lebensstandard, der einmal vorhanden war, aufzugeben, „nur“ weil ein Kind ins Leben tritt. Das kann ich gut nachvollziehen. Wir haben natürlich auch lange über der Frage gegrübelt und darüber nachgedacht, was wirklich sein muss und was Luxus ist. Wir haben einen bestimmten Betrag, welchen wir im Monat benötigen. Dieser muss verdient werden, in welcher Form auch immer.
Dass dieser Betrag in jeder Familie anders ist, ist mir klar. Hängt es doch von so vielen äußeren Faktoren ab, die erst einmal nichts damit zu tun haben, wie viel Luxus man sich leistet. Ich runzle jedoch die Stirn, wenn ich von Kollegen höre, dass beide Elternteile unbedingt arbeiten müssen, damit sie über die Runden kommen. Von denen ich weiß, wie viel sie verdienen, und deren Einkommen weit von dem entfernt ist, was wir benötigen.

Versteht mich nicht falsch, ich sage nicht, dass man enthaltsam leben muss, um von morgens bis abends für sein Kind da zu sein. Sollte man sich jedoch mit der Frage, wieviel Elternzeit man sich leisten kann, beschäftigen, fordere ich dazu auf, das sehr sorgfältig zu tun. Stellt Finanzpläne auf, schaut, in welcher Phase ihr wie viel Geld zur Verfügung habt. Und überlegt auch an welcher Stelle man sparen kann, ohne dass es schmerzt.

IMG_0722Ich bin eigentlich kein Silbermond-Fan. Aber der Songtext zu „Leichtes Gepäck“ hat mich sofort angesprochen. Denn zugegebenermaßen bin ich auch ein Mensch, der sich eher mehr leistet, als es eigentlich möglich ist. Und dann eben für Dinge, die man sowieso nicht braucht. Für mich jedoch ist die Investition, mehr Zeit mit dem eigenen Kind zu verbringen, jeden Euro wert. Viel zu oft sehe ich Familien, in denen zumindest ein Elternteil, manchmal auch beide, eigentlich nie zu Hause sind. Oftmals ohne Hintergedanken. „Ich möchte meinem Kind alles bieten können, was es will.“ Ich sage euch: Auf Platz 1 der Einkaufsliste der Kinder ist meistens, Zeit mit Mama oder Papa zu verbringen. Kein Spielzeug der Welt kann das ausgleichen was dem Kind fehlt, wenn sich die Eltern mit Arbeit zuschütten. Wir haben das große Glück, in einem Land zu leben, in dem einem durch staatliche Anreize so viele Möglichkeiten geschaffen werden, eine Familie zu gründen. Dass es Elterngeld gibt, ist eine wunderbare Erleichterung. Und die Entwicklung geht sogar in eine Richtung, die noch positiver als je zuvor für Familien sein wird, die ein Kind betreuen. Informiert euch über die Möglichkeiten, die ihr habt. Es ist zum Beispiel möglich, durch einen Steuerklassenwechsel das Elterngeld der Person zu erhöhen, die zu Hause bleibt – das muss man jedoch sofort nach Bekanntwerden der Schwangerschaft in die Wege leiten. Das ist nur ein Beispiel um zu zeigen, dass es sich lohnen kann, sich sehr genau mit dem Thema der Finanzierung auseinanderzusetzen. Erst dann kann man wirklich fundiert entscheiden, wieviel Elternzeit man sich wirklich leisten kann. Und wenn das mehr ist, als man vorher dachte, wird es, da bin ich ganz sicher, ein großer Gewinn für das Kind und für die gesamte Familie sein.

4 Gedanken zu “Unsere Tochter bleibt zu Hause – Teil 3

  1. An dieser Stelle schaue ich mal, ob auch ein halbkritischer Beitrag hier erwünscht ist- wenn nicht, schaltet ihn einfach nicht frei, da wär ich nicht böse 🙂

    Also:
    Ich bin selbst eine große Verfechterin der Meinung „Ein Kind sollte nur im Notfall unter 3 Jahren in eine Fremdbetreuung“
    Wann dieser Notfall vorliegt, sei jedem selbst überlassen und soll nicht Thema dieses Kommentars werden.

    Ich bin aber auch überzeugt davon, dass es für meine große Kröte die richtige Entscheidung war, mit 3 in den Kindergarten zu gehen und meine anderen Kröten werden ebenfalls mit 3 in den Kindergarten kommen.

    Ich respektiere eure Entscheidung und glaube euch, dass es für euch das richtige ist, möchte aber trotzdem diese Möglichkeit nutzen, um meine Beweggründe für den Kindergarten auszubreiten und somit auch meine Bedenken zu äußern. Ich möchte weder euch noch eure Entscheidung angreifen, sondern nur einen anderen Weg beleuchten:

    Kinder müssen sich, auch ohne die Einmischung oder Überwachung von Erwachsenen miteinander auseinandersetzen. Irgendwann. Spätestens in der Schule oder im freien Spielen mit Geschwistern.
    Ich halte die Schule nicht für den geeigneten Ort dafür, da dort der Fokus auf dem Lernstoff liegen sollte. Lehrer haben schon genug zu tun, das habe ich spätestens in meinem 6monatigen Praktikum in der Grundschule gelernt.

    Ich denke, dass der Spielplatz auch nicht der richtige Ort dafür ist, da die Begegnungen dort zu kurz sind, um Zeit zu bieten für das Aufkommen von Konflikten und die tatsächliche Lösung derselben.
    Selbst wenn ihr deutlich mehr Durchhaltevermögen habt als ich und regelmäßig mehr als 2-3 Stunden dort seid, so fehlt spätestens die Begegnung am nächsten Tag mit dem konfliktpartner, die ich auch als sehr wichtig ansehe.

    Beim Turnen oder Ballett ist der Fokus aller Beteiligten auf der Sache selbst und nicht auf dem sozialen Miteinander. Das ist zwar immer ein Thema, aber hier doch eher am Rande.

    Bleiben noch Besuche bei oder von anderen Kindern.
    Das findet immer „im Revier “ des einen oder anderen Kindes statt. Natürlich muss z.B. das Gastgeberkind das Spielzeug teilen, aber es ist nunmal sein Spielzeug und nicht das des anderen. So bietet sich dort immer ein Machtgefälle, was echte, gleichberechtigte Konflikte nur schwer möglich macht.

    Zudem lernen Kinder im Kindergarten, dass es die Situation gibt, in der ein erwachsener eine Ansage macht und man als Kind die erstmal befolgen muss, und hinterher nach den Gründen fragen kann.

    Als Elternteil mache ich das höchst selten, eigentlich nur beim „STOPP!!!!“, wenn die Kinder draußen unterwegs sind und ein Auto kommt.

    Das sind für mich die sozialen Aspekte, die für einen Kindergarten sprechen.

    In eurer speziellen Situation ist natürlich noch das Thema Geschwisterkind und das Thema, dass die große Maus sagt, sie möchte nicht, zu bedenken.

    Ich möchte nur warnen, dass die große Maus durch Ankunft der kleinen Maus zwar unfassbar viel gewinnt (eine Schwester, die sie ihr Leben lang begleitet und ihr Leben bereichern wird), aber, ob man will oder nicht, auch etwas verliert.
    Sie kann nicht immer exakt die Aufmerksamkeit bekommen, die die kleine Maus bekommt. Wenn beide gerade dringend etwas wollen und nur ein Erwachsener da ist, dann muss die große Maus kurz warten, weil sie, im Gegensatz zur kleinen Maus, in der Lage ist, zu begreifen, dass ihr Bedürfnis nicht vergessen oder übergangen wird.

    Dafür kann bzw darf sie aber viele Dinge, die eben nur für große sind. Für mich wäre eines dieser Dinge das „in den Kindergarten dürfen “

    Ich bin mir sicher, dass die Mäuse bei euch eine gute und glückliche Kindheit haben werden, egal ob zuhause oder in der Kita. Das ist mir wichtig, noch loszuwerden. Ihr seid gute und liebevolle Eltern.

    • Da hast du aber die Samthandschuhe ausgepackt… 🙂
      Also grundsätzlich wird hier jeder Kommentar erscheinen, wenn er nicht absolut am Thema vorbei ist.

      Und gerade hier, in diesem Thema, erwarte ich auch, dass rege Diskussion herrschen wird – denn wie ich auch geschrieben habe, ist das eines der Themen, die immer sofort Diskussionen hervorbringt. Und wir machen diesen Blog ja nicht, um hier eine heile Welt unter einer Glaskuppel zu vermitteln…

      Insofern: Danke für den Beitrag! Es ist absolut gewünscht hier auch Gegenargumente hervorzubringen.

      Direkt zum Thema würde ich dich um etwas Geduld bitten – ich werde nicht direkt hier antworten, sondern das in einen späteren Beitrag einbauen. Vielleicht gibt es bis dahin ja noch weitere Argumente Pro oder Contra, die ich dann mit einflechten kann.

  2. Samthandschuhe, naja… Ich weiß einfach, dass es schwierig ist, eine andere Meinungzu hören und nicht zu denken, dass der andere sie einem aufdrängen möchte. Gerade in „heißen “ Themen wie Kindererziehung und gerade, wenn einem da oft reingeredet wird (das müsst ihr leider viel öfter erfahren als ich).

    Und das ganze dann noch in einem rein schriftlichen Medium, wo weder Tonfall noch Mimik helfen, richtig rüberzubringen, war mir wichtig.

    • Nein, keine Angst, wenn wir Angst vor Kritik hätten, dann dürften wir diesen Blog nicht machen. Insofern bin ich auch niemandem böse, wenn er diese äußert. Genau dafür ist der Blog ja da. Wäre langweilig, wenn alle zu allem „Ja“ und „Amen“ sagen würden…
      Und solange die Kritik sachlich bleibt bin ich dankbar darüber!

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