Stoffwindeln – Back to the roots

animal-1300138_640Wir befinden uns im Jahr 2012. Der Bauch meiner Frau ist kugelrund. Unsere Hochzeit ist noch nicht lange her und wir waren gerade dabei, über all die Anschaffungen nachzudenken, die nötig waren. Es war zu der Zeit, als mein Bruder einen großen Pappkarton aus dem Auto schleppte. Der Inhalt: ein großer Vorrat an Stoffwindeln, gebraucht günstig erstanden.

Zugegeben: wir waren skeptisch. Und zwar sehr lange. Genau genommen mehrere Jahre. Denn nicht nur fanden wir zumindest diese Windeln nicht sonderlich hübsch, auch kamen zwei Dinge dazu, die uns davon abbrachten. Zum einen die „Erzählungen der Alten“. Wir hörten weniger appetitliche Geschichten über damals, als Pampers ihren Siegeszug noch nicht begonnen hatten. Es hat uns eigentlich jeder berichtet, dass es damals ein Segen war, eine Alternative zu haben. Zum anderen hat uns auch das System meines Bruders und seiner Frau nicht überzeugt. Der Aufwand sei es nicht wert, dachten wir uns. Kleine Anekdote zum Bild: Eine Freundin von uns sagte, sie habe sich die Stoffwindeln, als wir ihr davon erzählt haben, immer als Lendenschurz wie bei Tarzan vorgestellt. Das mag vielleicht auch der Grund sein, warum wir mal wieder komisch angeguckt wurden, als wir davon erzählten…

Unser Mittel der Wahl waren Pampers. Und wir waren sehr zufrieden. Zwar haben wir immer wieder mal überlegt zu wechseln, aber nicht ein einziges Mal hat das System schlapp gemacht. Nachts mussten wir nicht zwischenwickeln, auch morgens war noch alles trocken. Kaum Equipment wenn man unterwegs ist – Mülltonne auf, fertig. Hört sich jetzt erstmal alles ganz toll an. Wir haben es auch nie bereut.

Aber trotz allem hatten wir immer eine Stimme im Kopf, die an unserem Gewissen genagt hat. Wir haben gerade in der Anfangszeit immer sehr auf die Qualität der Kleidung geachtet. Schurwolle, kba, kbt, passende Waschmittel. Chemie wollten wir möglichst fernhalten vom Körper – hauen ihr aber aus Bequemlichkeit Plastik und Chemie an den Hintern. Und produzieren nebenbei jede Menge Müll. Sicherlich sind Wegwerfwindeln kein Teufelszeug, es gibt sicherlich deutlich schlimmere Dinge die man Kind oder Natur antun kann. Aber um das ganze Thema „ökologisch nachhaltig“ rund zu machen, fehlte halt der letzte Schritt.

Und diesen Schritt wollen wir nun beim zweiten Kind wagen. Die Betreuungssituation lässt den erhöhten Zeitaufwand zu. Wir haben unheimlich viel Zeit in Recherche der verschiedenen Systeme gesteckt, haben Vor- und Nachteile verglichen und ein System gefunden, welches für unsere Situation am besten passt. Und haben das Thema Stoffwindeln zu einem gemeinsamen Hobby gemacht. Denn wir werden nicht einfach nur einen Haufen Windeln bestellen, sondern einen Teil davon selbst herstellen. Gemeinsam erschaffen wir so schon vor der Geburt etwas, was uns verbindet und das ungeborene Kind noch mehr in unser tägliches Handeln einbindet. Auch für mich als Vater ist es eine wunderbare Möglichkeit, etwas zur Schwangerschaft und zur Vorbereitung beizutragen. Und zuletzt macht es mich natürlich stolz, sagen zu können, dass sie etwas trägt, was ich mit den eigenen Händen erschaffen habe.

Nun sind wir gespannt auf die Zukunft. Wir kommen von einem System was uns sehr zugesagt hat. Und werden nun eines verwenden, welches definitiv Nachteile mit sich bringen wird – aber eben auch ein gutes Gefühl hinterlässt und einige Vorteile bietet. Entweder wir ärgern uns, dass wir nicht schon beim ersten Kind diesen Schritt gegangenen sind. Oder wir ärgern uns, dass wir ihn jetzt gegangen sind. Hmm, wenn man das so liest, können wir ja nur verlieren… Wir hoffen, dass uns die Rückkehr zu den Wurzeln viel Freude bringt. Dass die Nachteile wenig ins Gewicht fallen und wir unser zweites Kind vollkommen frei von Plastik wickeln können. Und uns an dem Hummelpopo erfreuen werden.

Ob diese Entscheidung für uns Fluch oder Segen war, wird sich später herausstellen. Und sicherlich werden auch einige Beiträge genau dieses Thema behandeln. Wir freuen uns auf den Austausch.

Wen interessiert, für welches System wir uns entschieden haben und wie wir dieses umsetzen wollen, schaut in diesen Artikel.

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