Hypnobirthing – ein Weg aus der Angst?

IMG_0814Als Vater und Ehemann musste ich bisher miterleben, dass ich sehr hilflos war, wenn es darum ging, meine Frau bei der Geburt zu unterstützen. Meine Frau berichtet in ihrem Artikel darüber, dass sie einen Weg gesucht hat, mit der Angst vor der zweiten Geburt umzugehen.
Sie hat mich darum gebeten, auch meine Sicht darzustellen, da es sich hier um eine Methode handelt, in der mindestens zwei Menschen involviert sind – und ich bin diese zweite Person.

Ich kann mich nicht mehr an jede Einzelheit der Geburt meiner ersten Tochter erinnern. Woran ich mich jedoch genau erinnern kann: Hilflosigkeit. Kein Geburtsvorbereitungskurs der Welt bereitet einen darauf vor, was unter der Geburt wirklich passiert. Wenn die Frau Schmerzen erleidet, die man nicht lindern kann.

Meine Frau wollte früher immer fünf Kinder haben. Ich antwortete immer: „Lass uns erstmal eines bekommen!“ An die Geburt selbst habe ich dabei nie gedacht, sondern an die Zeit danach. Doch es war gerade die Geburt, die zu der Aussage „Eins reicht!“ geführt hat.

Es sollte eine möglichst natürliche Geburt werden. Ich sollte meine Frau davon abhalten, eine PDA zu verlangen. Als sie nach diesem letzten Notanker gefragt hat, und ich zur Gegenrede ansetzte, hat sie mir schnell deutlich gemacht, dass ich jetzt nichts mehr zu sagen hatte. Und obwohl die PDA zweimal korrekt gesetzt wurde, hatte sie keinen Effekt. Auch bei anderen Betäubungsspritzen hat meine Frau schon erlebt, dass sie keine Wirkung hatten. Und mit der Wirkungslosigkeit des Notankers ist eine Welt zusammengebrochen. Ich stelle mir dieses Erlebnis vor wie eine Fata Morgana in der Wüste. Die rettende Oase kurz vor dem Austrocknen. Und hat man sich die letzte Düne hinaufgequält, realisiert man, dass man einer Täuschung zum Opfer gefallen ist.

Ein zweites Kind war also erst einmal vom Tisch. Zu groß war die Angst vor einer zweiten Geburt. Nach knapp 3 Jahren habe ich dann angefangen, sie zu einem zweiten Kind zu überreden. Wir haben dann nach Möglichkeiten gesucht, die Geburt etwas angenehmer zu gestalten. Die Angst kann ich ihr kaum nehmen, ich kann sie höchstens bei dem unterstützen, was sie sich wünscht.

Meine Frau wählte dann Hypnobirthing als eine Komponente, die Schmerzen der Geburt zu lindern. Ich war mehr als skeptisch. Und als ich dann noch hörte, dass ich da mitmachen muss, war ich wenig begeistert. Es ist nicht so, dass ich nicht an alternative Wege glaube. Ich war nur überzeugt davon, dass die Geburt nach wie vor eine Extremsituation ist, die man nicht planen kann. Und dass einem da nicht viel helfen wird. Doch ich wollte dem eine Chance geben.

Es geht beim Hypnobirthing vor allem darum, Ängste abzubauen. Und auch wenn ich den Schmerz nie erleben musste, so erlebe ich doch den Umgang mit dem Thema „Geburt“ in der Gesellschaft. Ich kenne kaum jemanden, der die positiven Aspekte hervorhebt. Es geht nie darum, dass die Geburt etwas wundersames ist, ein Ereignis, welches so viel Freude bringt wie nichts anderes. Selbst beim Frauenarzt heißt es immer nur: „Die Geburt ist etwas schlimmes, es tut immer höllisch weh.“ Natürlich bekommt man da Angst und wenig Zuversicht. Hypnobirthing verspricht keine Schmerzfreiheit, aber bietet einen Weg mit den negativen Einflüssen umzugehen. Diese kann man nicht verhindern, aber die Art, wie man mit ihnen umgeht. Wenn man es schafft, nicht vor Angst zu verspannen und zu verkrampfen, sondern übt, auch unter den Schmerzen einer Geburt einen Weg zu finden, zu entspannen, wird die Geburt erleichtert.

Das hört sich erst einmal logisch an. Ich habe auch als Mann sämtliche Übungen mitgemacht. Zugegeben, ich war nicht sonderlich erfolgreich dabei, meine Gebärmutter zu spüren. Aber auch ich als Skeptiker habe gespürt, dass man mit Anleitung viel stärker entspannen kann, als ohne. Und vor allem habe ich meine Aufgabe viel deutlicher verstanden. Ich bin ein wertvoller Begleiter der Geburt. Es gibt Entspannungsübungen, die ich begleite, es gibt Dinge, die ich ihr sagen kann und die ihr helfen werden. Durch die intensive Beschäftigung mit der Geburt bin ich deutlich stärker involviert. Und ich bin überzeugt, dass ich bei der Geburt weniger hilflos bin. Es gibt so viele Dinge, die bei der ersten Geburt schon hätten besser laufen können. Ich werde ein besserer Partner sein.

Unabhängig davon, ob man nun Hypnobirthing oder irgendeinen anderen Weg wählt, um die Geburt durchzuführen: es hilft, sich intensiv mit seiner Partnerin auseinanderzusetzen. Zu fragen, was helfen wird. Gemeinsam zu besprechen, welche Ängste bestehen und wie man diese lindern kann. Denn wenn man unvorbereitet die Geburt erlebt, ist man einfach hilflos – so erging es mir zumindest. Vielleicht ist das für viele selbstverständlich, vielleicht muss man auch erst eine Geburt erlebt haben um zu wissen, was man besser machen kann. Aber schon allein die Frage des Mannes: „Was kann ich alles tun, um dir die Geburt angenehmer zu machen?“ wird vielen werdenen Müttern enorm helfen. Und je intensiver man sich damit beschäftigt, desto mehr wird es helfen. Die Frage darf nicht als Floskel alleine stehen.

Wieviel es am Ende bringen wird, diesen Kurs gemacht, wird sich noch zeigen. Ich für meinen Teil kann jedoch bereits jetzt sagen, dass ich einen anderen Blick auf meine Rolle gewonnen habe. Ich bin nicht nur der Ehemann, der irgendwie dabei ist, sondern ich bin ein Geburtspartner, der wichtige Aufgaben übernimmt. Und wenn ich meiner Frau helfen kann, die Geburt auch nur ein wenig angenehmer zu gestalten, werde ich alles dafür tun.

 

2 Gedanken zu “Hypnobirthing – ein Weg aus der Angst?

  1. Ich schreibe bewusst als Kommentar zu deinem Beitrag, Philipp, und zwar aus zwei Gründen.
    1.) Antonia kennt das alles schon
    2.) Offensichtlich brauchst du positive Aussagen zum Thems Geburt, da du bisher zu wenig davon gehört hast.

    Ich kann zum Thema hypnobirthing rein gar nichts sagen. Aber zum Thema Geburt und zum Thema unvorbereitete Geburt schon.

    Ich glaube, die wenigsten Frauen würden gebären als ihr Hobby bezeichnen. Ich vergleiche das gebären immer gern mit einem Marathonlauf (wer mich nicht kennt: ich bin kein Freund vom Sport und erst recht nicht vom laufen. Im Sportunterricht in meiner Schulzeit musste ich insgesamt 2 Referate über eine selbstgewählte Sportart halten. Beim ersten Mal konnte ich die Lehrerin überreden, dass Massage doch eigentlich auch zu den Sportarten gehörten. Beim zweiten Mal habe ich das Thema Bumerangwerfen genommen, aber nur weil die Lehrerin „Kamasutra“ nicht durchgehen lassen wollte. Kurz ich bin unsportlich)

    Ich bin nie einen gelaufen, aber so stelle ich es mir vor:
    Man hat vorher nicht wirklich Lust aufs laufen, aber man giert nach dem Gefühl, das einen durchströmt, wenn man es geschafft hat. Man ist aufgeregt vorher. Die Mama sagt:“Iss vorher eine Banane, du brauchst die Kraft“ die Freundin sieht dich mit der pflichtschuldigst mitgenommenen Banane (du willst ja nix falsch machen) und sagt: „du willst die doch nicht etwa essen, da musst du dann auf halber Strecke kotzen!“ Du hörst schon nur noch mit halben Ohr zu, beobachtest im Augenwinkel eine Gruppe hochmotivierter, die seid 45 min diverse Aufwärmtechbiken durchexerzieren, von denen dir manche vage bekannt vorkommen. Du überlegst gerade, ob du nicht doch noch etwas trainieren solltest, da beschließt jemand, plötzlich den Startschuss zu geben und alle um dich rum rennen los.
    Ich bin ja eh nur dabei um es zu schaffen, nicht um erster zu werden, aber du läufst erstmal los. Leicht verwirrt, ob du überhaupt auf dem richtigen Weg bist, aberdein Körper rennt erstmal los.
    „Ich muss mich konzentrieren“, denkst du, während du beobachtest, wie die Bäume an dir vorbeijagen, aber du handelst nach deinen Instinkten und läufst. Irgendwann kommt der Punkt, an dem du niemanden mehr siehst (so realistisch will ich bleiben, ich bin also weit hinter dem hauptfeld), deine Beine brennen und dein Körper fühlt sich schwer. Das ist für mich der entscheidende und wichtigste Punkt. Der Punkt an dem man entscheidet, einfach weiterzulaufen. Die Unannehmlichkeiten zu ignorieren und zu laufen. Alle Gedanken fest auf das Gefühl gerichtet, was sich danach einstellt, der Stolz, das Adrenalin, die Endorphine. Dafür machst du es. Dafür hälst du durch. Dafür machst du weiter.
    Und schließlich kommst du an eine Straßenecke, an der du erkennst: das Ziel ist ganz nah. Du hörst den Jubel der Menschen am Ziel und holst noch einmal alles raus und rennst mit einer Geschwindigkeit durchs Ziel, von der du nicht mehr geahnt hast, dass sie in dir steckt.
    Dort stehst du dann, genießt die wohlverdienten siegesgefühle und schaust halb stolz halb staunend auf deine Leistung zurück. Es war höllenanstrengend, aber du hast es geschafft und das war es wert.

    Nun die Geburt: du bist aufgeregt, freust dich so sehr auf dein Kind. Viele reden dir rein, sind dabei aber sehr widersprüchlich.
    Die Geburt an sich ist, wie ich es erlebt habe, etwas wo der Körper ganz natürlich weiß, was zu tun ist, auch wenn man selbst keine Ahnung hat. Die einzige Herausforderung für mich war der Geist. Der fühlt sich durch die körperliche Erschöpfung und auch den Schmerz, denn natürlich tut eine Geburt zu einem bestimmten Teil weh, so gelähmt, dass es wichtig ist, ihn bewusst hinter die Mission zu stellen, die der Körper unbarmherzig vorantreibt.

    Meine Geburten waren alle verhältnismäßig einfach.
    Ich glaube, der Kern dabei ist, positiv zu bleiben. Ob es durch hypnobirthing, innere Überzeugung oder wodurch auch immer passiert, ist egal.
    Es ist so schön, dass ihr für euch den richtigen Weg gefunden habt.

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