Geburt und Schalom (Teil 1) – HypnoBirthing als Weggefährtin

SchalomDie Uhr tickt. Noch zehn Minuten. Dann wird die PDA Wirkung zeigen – sagen sie. Um mich herum sind Menschen – doch ich fühle mich ganz allein. Allein mit meinem Schmerz. Ich blicke in die Augen meines Mannes – und schaue Liebe, aber auch Hilflosigkeit. Er würde mir so gerne diesen Weg erleichtern. Der Schmerz wächst – ohne Pause, wie ein Sturm. Es kann nicht schlimmer werden. DAS ist alles was ich ertragen kann. Zehn Minuten sind um. Die PDA zeigt keine Wirkung. Verzweifelt wende ich mich an die Frau neben mir: „Warum verspüre ich keine Linderung? Die Schmerzen sind nicht auszuhalten!“ Sie blickt auf ihr Klemmbrett und sagt: „Sie sind doch Theologin. Wenn jemand daran glauben muss, dass die PDA wirkt – dann ja wohl Sie!“


Das hebräische Wort Schalom kann viel bedeuten: Unversehrtheit, Heil, Frieden, Glück, Ruhe, Sicherheit etc. – doch mit keinem dieser Begriffe habe ich bisher das Geburtsgeschehen verbunden. Meine Assoziationen zum Thema Geburt gingen eher in eine gänzlich andere Richtung: Schmerz, Unsicherheit und Angst. Überwog noch vor der Geburt meiner ersten Tochter das Gefühl der Unsicherheit, blieb nach der Geburt das Gefühl der Angst: Die Schmerzerfahrungen hinterließen so tiefe Narben in meinem Körper und meiner Seele, dass sich die Furcht vor einer ähnlichen Erfahrung wie ein kleines schwarzes Monster in mein Unterbewusstsein fraß. Irgendwann ließ mich der Alltag dieses kleine Monster vergessen – bis sich unser zweites Wunder auf den Weg ins Leben machte.

 

Und da war sie wieder: Diese Angst. Die Erinnerung an die schlimmen Schmerzen. Das Monster war größer und schwärzer als zuvor. Ich habe versucht es zu ignorieren. Zahlreiche Schwangerschaftswochen verstrichen. Doch irgendwann ging es nicht mehr. Mir wurde klar: Auf diese Weise kann und möchte ich unser zweites Kinde nicht ins Leben begleiten. Ich begann Erfahrungsberichte von Frauen zu lesen, welche eine friedliche und sanfte Geburt erlebt hatten – und dabei stieß ich immer wieder auf das Stichwort „HypnoBirthing“.

„HypnoBirthing“ – der Name entbehrt nicht einer gewissen esoterischen Note, das gebe ich gerne zu. Hinter diesem Titel verbirgt sich jedoch keine Magie, sondern eine handfeste Geburtsphilosophie, die zugleich eine Geburtsmethode ist (vgl. Marie F. Mongan: HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt, Mankau Verlag 52014, 310 S. mit CD):

„Die Geburt ist eine natürliche, normale und gesunde menschliche Erfahrung. Die Körper der Frauen sind geschaffen, um zu empfangen, die Entwicklung der Kinder zu fördern und zu gebären. Ihre Körper sind nicht fehlerhaft und zum Versagen verurteilt.“ (S. 50)

„HypnoBirthing hilft Müttern, sich auf ihre angeborene Fähigkeit auszurichten, sanft, schmerzfrei, kraftvoll und froh zu gebären. […] Eine HypnoBirthing-Mutter lernt das angeborene Geburtswissen ihres Körpers einzubeziehen, in ihrem Geburtsprozess zu entspannen, mit ihrem Körper und ihrem Kind zu arbeiten.“ (S. 47)

Dazu gilt es noch folgendes zu ergänzen – HypnoBirthing:

  • verspricht keine Geburten gänzlich frei von Unannehmlichkeiten;
  • ist kein neues Konzept, seit Jahrhunderten werden Kinder auf diese Weise geboren;
  • vermittelt nicht wie man gebiert, sondern etwas über Geburt;
  • ist keine alternative Methode, sondern eine kooperative Methode, d.h. der Einsatz von medizinischen Eingriffen wird nicht per se ausgeschlossen – nur willkürliche, unnötige bzw. routinemäßige Maßnahmen werden abgelehnt.

Die Theorie dieses Konzeptes hat mich sofort angesprochen. Nur war mir nicht klar, wie ich diese natürliche Zuversicht auch für mich selbst gewinnen konnte. Allein die Lektüre des entsprechenden Buches hätte mir persönlich nicht gereicht, um meine Haltung zur Geburt nachhaltig zu ändern. Ich brauche mehr – ich brauche einen Dialog, von Angesicht zu Angesicht. Und so machte ich mich auf die Suche nach einem HypnoBirthingkurs mit einer zertifizierten Leitung der HypnoBirthinggesellschaft Europa (HBGE http://hypnobirthing.ch/). Schnell wurde ich in meiner Heimatstadt Lübeck fündig:

In der ausgebildeten HypnoBirthingkursleiterin Susan Knoll fand ich genau das Gegenüber, welches ich mir so sehr gewünscht hatte. Auf ganz wunderbare Weise hörte Susan mein Anliegen und bot mir und meinem Mann darauf einen Kurs an, der ganz auf unsere persönlichen Wünsche und Ängste zugeschnitten war. Wer sich auf einer ähnlichen Suche wie ich befindet und im Raum Lübeck zu Hause ist, dem kann ich nur von Herzen raten den Kontakt zu ihr zu suchen (http://www.hypnobirthing-hl.de/). Die Begegnung mit Susan war für mich der erste Schritt auf meinem Weg zu Geburt und Schalom.

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