Stoffwindeln – Ein bisschen DIY

Stoffwindeleinlagen-003In meinem ersten Artikel über Stoffwindeln habe ich berichtet, wie wir zu der Entscheidung gekommen sind, bei unserem zweiten Kind Stoffwindeln auszuprobieren.
Meine Frau berichtet in ihrem Artikel über die verschiedenen Systeme und warum wir uns für das System entschieden haben, welches bald in unsere Kommode wandert.
Wir fanden jedoch die Vorstellung schön, etwas eigenes zu erschaffen. An dieser Stelle zeige ich, wie ein werdender Papa sich das erste Mal im Leben an die Nähmaschine setzt – und natürlich das Resultat.

Bei einem All-in-3-System bedarf es dreier Dinge: Einer Außenwindel, einer Innenwindel sowie eines Paketes an Einlagen. Meine Frau hatte bereits mehrere Wochen recherchiert und mir immer wieder Begriffe an den Kopf geworfen, die ich nicht verstanden habe und auch nicht verstehen wollte. Irgendwann habe ich dann angefangen, verstehen zu wollen, was sie da sagt. Die Systemfrage war schneller geklärt, als die Frage, die dann vor allem mich beschäftigt hat: Wie, bitte schön, soll man wissen, welche Einlagen man braucht.
Ich war eine Zeit lang krank zu Hause. Mit dicken Mandeln, einem heißen Tee und meinem Tablet habe ich also versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Ich habe ja schon einmal darüber geschrieben, dass man eine neue Welt betritt, wenn man Kinder bekommt. Aber die Frage über Stoffwindeln und ihre Einlagen toppt das nochmal. Schnell habe ich gemerkt, dass diese Frage häufig religiöse Züge annimmt. Sie teilt regelmäßig die Lager, es gibt Verehrer und Hasser, es steckt viel Glauben dahinter und eine Beweisführung gestaltet sich schwierig.

Die Stoffeinlagen muss man sich als eine Art Slipeinlage vorstellen. Diese wird in die Innenwindel gelegt. Und es gibt laut Internet leider nicht DIE Einlage, sondern es gibt viele, viele verschiedene Materialien. Ich fragte mich also: Gibt es nicht vielleicht doch DAS Material, DAS Allheilmittel? Ich machte mich also auf die Suche und durchforstete hunderte Webseiten.

Ich machte verschiedene Beobachtungen:
1.: Findet man eine Seite, die alle Vor- und Nachteile der Materialien auflistet, freut man sich.
2.: Geht man auf die nächste Seite, gibt es eine ähnliche Auflistung. Und zwar komplett widersprüchlich zu der ersten.
3.: Punkt 1 und 2 in Kombination ist ECHT frustrierend.

Oben Prefolds aus Bambus und Hanf, Unten Zorb und Baumwolle
Oben Prefolds aus Bambus und Hanf, Unten Zorb und Baumwolle

Ich habe dann trotzdem ein Material gefunden, welches sich sehr interessant anhörte. Natürlich spalten sich auch hier die Meinungen, die einen loben es in den Himmel, die anderen verfluchen es: Zorb. Zorb gibt es in verschiedenen Ausführungen – im Grund genommen handelt es sich um eine Kombination von 3 verschiedenen Materialien: Bambus, Baumwolle und einer Zorbfaser, die aus einem Kunststoff besteht. Diese ist aber zwischen Bambus und Baumwolle, sodass sie nicht mit dem Kind in Berührung kommt. Die Werbung verspricht vollmundig, um wieviel besser dieses Wundermaterial doch sein soll. Es war klar, dass das natürlich nicht stimmen wird – aber es war doch ein Hype zu erlesen, dass dieser Stoff viele Vorteile vereinen soll. Angebliche Nachteile: Teuer (dazu komme ich gleich), sowie bei starker Beanspruchung dafür anfällig, dass die äußeren Schichten kaputte gehen und dann das Plastik eben doch hervorkommt.

Zorb ist eine Handelsmarke und es gibt genau einen Hersteller, der jetzt in den USA sitzt. Man kann jedoch auch hierzulande Zorb-Einlagen kaufen. Hier gab es jedoch ein Problem: Es gibt drei Generationen dieses Stoffes, der immer wieder verbessert wurde. In Deutschland bekommt man die 2. Generation. Ich wusste nun allerdings, dass es eine 3. gibt, die nochmal besser sein sollte. Was tun? Die Vernunft sagte, dass das nur Marketing ist. Dass es wahrscheinlich völlig egal ist, welche man nimmt. Aber das Haben-wollen-Gefühl flüsterte ein, dass wir unbedingt das haben wollen. Dafür gibt es aber nur genau eine Möglichkeit: Stoff importieren und selbst machen. Dabei gab es ein Problem: Ich habe noch nie im Leben eine Nähmaschine benutzt. Meine Frau allerdings hatte schon einmal einen Nähkurs besucht. Unsere Rettung? Mitnichten: Ihr Kurs bestand aus 6 Kurseinheiten. Nach 3 Einheiten wurde ihr die Hälfte des Geldes erstattet – wegen Talentfreiheit… Auch mit modernsten Maschinen und fachmännischer Anleitung konnte sie nichts von dem umsetzen, was gefordert war. Gut, das mag vor allem die Schuld der Kursleiterin gewesen sein – aber sie hatte für immer mit dem Thema Nähen abgeschlossen und stand für dieses Projekt nicht zur Verfügung. Es lag also an mir…

Nie hätte ich gedachte, dass ich mit 32 Jahren auf der Couch liegen und mir Nähworkshops bei Youtube reinziehen würde. Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der Dinge als zu einfach einschätzt, also guckte ich zuversichtlich in die Zukunft und habe beschlossen: Ich traue mir dieses Projekt zu.

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Verschiedene Einlagen und Prefolds

Wir haben also eine große Bestellung aufgegeben, richtig viel Versandkosten bezahlt und ich durfte 2 Wochen später eine Stunde beim Zollamt sitzen, während der Beamte dort von jedem bestellten Material Größe und Gewicht erfragt hat. Nochmals um viel Geld leichter verstaute ich den Sack voll Stoff im Auto und machte mich etwas später an die Arbeit. Wir hatten nicht nur Zorb bestellt (von dem wir hauptsächlich die 3. Generation ohne Kunststoff bestellt haben), sondern auch Baumwolle, Hanf und Bambus. Denn so ganz wollten wir uns auf ein Material nicht beschränken. Wir haben vorher gerechnet, was uns eine Einlage kosten wird, wie wir die Stoffbahnen schneiden werden und welche Größen wir herstellen wollen.

Um Einlagen herzustellen bedarf es einer Overlock. Eine Overlock versäumt Ränder und schneidet sie gleichzeitig ab. Man muss als „nur“ einmal um die vorgeschnittene Vorlage herumnähen und fertig ist die Einlage. Hört sich einfach an, oder? Und ganz ehrlich: Das war es auch.
Die größte Arbeit bestand darin, die geliehene Overlock einzufädeln und zu verstehen, wie stark die einzelnen Fäden gespannt werden müssen. Ich habe an Stoffresten geübt, bin dann aber schnell ans Eingemachte gegangen. Die Overlock stand irgendwann auf dem Balkon, ich habe die schönen Sommerabende genossen und meine Nachbarn mit einem steten „RATATATATATATATATATA“ genervt.

Das Resultat: Ein riesiger Berg Einlagen.
Aber vor allem auch das Gefühl, etwas geschaffen zu haben, sich mit dem Kind und seinen Bedürfnissen schon vor der Geburt auseinanderzusetzen. Es hat genauso geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe, es sind keine groben Fehler drin und sie sind nicht von gekauften Einlagen zu unterscheiden. Und Geld gespart haben wir auch noch. Denn auch mit Versand und Zoll haben wir nur weniger als die Hälfte von dem bezahlt, was wir bei einem Kauf der Einlagen beim Händler bezahlt hätten. Und wir haben stets die Materialien genommen, die noch etwas schwerer waren, haben insgesamt also mehr Material.

Wir sind nun also vorbereitet. Das Projekt hat sehr viel Spaß gebracht und das gemeinsame Herstellen der Einlagen (meine Frau hat bei den Zuschnitten geholfen) war eine schöne Aktivität, bei der man sich auf das nächste, gemeinsame Kind gefreut hat.

Natürlich beantworte ich gerne alle Fragen, sollte jemand ebenfalls den Wunsch verfolgen, ebenfalls eigene Einlagen herzustellen, teile ich gerne weitere Erfahrungen.

 

Hier noch ein paar Bilder des Herstellungsprozesses:

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