„Ich erklär‘ dir das: Wiederauferstehen können nur Jesus – und Zombies!“

halloween-1-von-1Vor nicht ganz zwei Wochen diente unser Haus als Basisstation für einen gesellschaftlich geduldeten Raubzug, der mit Erpressung und Androhung von Gewalt durchgesetzt wird. An diesem Tag ist für jeden sichtbar auch das Vermummungsverbot aufgehoben, könnte man doch angesichts der immer größer werdenden „Menschen“massen, die sich durch die Straßen bewegen durchaus von einer öffentlichen Veranstaltung reden. Opfer dieser Verbrechen sind zumeist diejenigen, die nicht daran gedacht haben, alle Lichter im Haus auszuschalten. Da es sich hier nicht um geplante Einzeltaten handelt, sondern das Ziel eine möglichst umfassende Ansteuerung verschiedenster Haushalte ist, gehören Eimer oder Rucksäcke mit zur Ausrüstung um möglichst viel Beute befördern zu können. Ziel ist es, den Zucker“bedarf“ für die nächsten zwei Monate zu decken.

Das öffentliche Interesse an Halloween wird immer größer – vor ein paar Jahren hätten wahrscheinlich die allermeisten auf die Frage, was am 31.10. gefeiert wird, „Reformationstag!“ geantwortet. Heute ist es sicherlich anders – je nach befragter Person. Sehr zum Leidwesen meiner Frau, ihres Zeichens ja Theologin. Doch auch sie macht bei diesem Spaß mit. Unsere Tochter ist jetzt fast vier Jahre alt. Bereits letztes Jahr sind wir, wie oben beschrieben, um die Häuser gezogen, die Kinder ein freches Lied auf den Lippen und den Eimer am ausgestreckten Arm, der regelmäßig entladen werden musste. Und auch dieses Jahr sollte es wieder so weit sein. Unsere Tochter war dieses Mal bereits viele Tage vorher sehr aufgeregt – schließlich wusste sie ja dieses Mal, was sie erwartet. Es wurden schon früh Pläne geschmiedet, wie sich verkleidet werden soll. Auch das Schminken gehört zu einer Lieblingsbeschäftigung unserer Tochter – hier ist natürlich die Verwandlung in eine Meerjungfrau, einen Drachen oder eben in anderes, gruseliges Gezücht gemeint.

Dazu kommt, dass wir leidenschaftliche Fantasy-Rollenspieler sind (oder vielmehr waren – denn es ist Jahre her, dass wir dafür die Zeit gefunden haben). Wir haben uns leidenschaftlich gern in Welten bewegt, die Trolle, Zwerge und Elfen, aber auch Dämonen, Hexer und Untote beherbergen. Viele werden jetzt denken: Wie kann man nur einem so kleinen Kind all diese Dinge zeigen – die werden doch gezeichnet fürs Leben. Nun, sehen wir anders… 🙂 Ich stehe ja nicht mitten in der Nacht mit einer Dämonenfratze über meiner Tochter und verursache so, dass ich am nächsten Tag nicht nur das Laken wechseln, sondern auch noch einen guten Therapeuten suchen muss. Nein, unsere Tochter wächst nicht nur mit ihrer eigenen Fantasie auf, sondern auch mit einer, die Medien vergeben – seien es Bücher oder auch das Fernsehen. Unsere Tochter darf sowohl Fernsehen gucken, als auch Spiele auf dem Tablet spielen. Und hier lernt sie nicht nur Geschichten über Jesus kennen, sondern auch so herrliche Bücher wie „Mein Papa ist ein Ork“ – aber auch gruselige Szenen in Kinderserien. Doch natürlich klappt die Trennung von „Das gibt es wirklich!“ und „Das gibt es nur in der Fantasie!“ nicht immer so gut, wie wir uns das wünschen würden. So kommt es nun, dass interessante Gespräche entstehen, so zu belauschen Halloween auf dem Weg nach Hause. Der schnellste Weg führte über den Friedhof, es war bereits dunkel. Der 4-jährige Cousin unserer Tochter hatte bereits Bekanntschaft mit den Nebendarstellern aus Walking Dead gemacht – er war also auch nicht unbeleckt, was dieses Thema angeht. Er fachsimpelte also darüber, ob die Menschen, die hier begraben sind, vielleicht irgendwann mal auferstehen werden. Wir konnte ihm diesen Gedanken nicht ausreden, fehlte uns doch ein Beweis hierfür (?). Unsere Tochter kannte Zombies, aber offenbar ihre Entstehung nicht, also erklärte sie ihm, dass diese Menschen endgültig tot und im Himmel sind (irgendwie hat sie auch die Vorstellung, dass dort die Köpfe aller Toten schweben…), und nicht auferstehen können. Denn: „Wiederauferstehen können nur Jesus – und Zombies!“. Und trotz dieser Abgeklärtheit hat sie sich nicht durch das Grusellabyrinth getraut, welches die Hauptattraktion in unserer Nachbarschaft war – das war ihr dann doch zu gruselig. Überhaupt bedarf es nicht viel um sie zu gruseln.

halloween-1-von-1-2Bevor unsere Tochter geboren wurde, haben wir uns natürlich sehr viele Gedanken gemacht über die Erziehung, über die Frage, welche Welt wir unserer Tochter bieten wollen. Zugegebenermaßen kam in diesen ersten Vorstellungen der Konsum von Fernsehen ebenso wenig vor wie die Vorstellung, dass sie mir bereits mit drei Jahren beim gelegentlichen PC-Spiel über die Schulter schaut und fragt, warum ich jetzt dieses gruselige Viech gehauen habe und es jetzt tot ist. Vielleicht ist es ein Fehler, ihr bereits in so jungen Jahren diese Welten zu eröffnen. Auf der anderen Seite ist es eben auch unsere Welt. Und wir können ihr nicht eine völlig andere Welt bieten als unsere. Dazu würde gehören, dass wir unsere Welt aufgeben oder eben nicht konsequent sind. Es kann ja auch nicht sein, dass wir Naschen, Serien gucken, vor dem PC sitzen, ungesundes Essen essen und Smartphones nutzen und ihr immer nur sagen: „Dafür bist du noch zu klein, das darfst du nicht, mach etwas anderes.“ Auf der einen Seite bewundere ich diejenigen Familien, die es schaffen, ihr Kind frei von diesen vermeintlichen negativen Einflüssen zu erziehen. Auf der anderen Seite geht dann vielleicht auch etwas verloren. Unsere Töchter wachsen nun einmal in einer vernetzten Welt auf, in der man mit dem Smartphone das Haus steuern kann. An jeder Ecke Werbung für Zeugs, was niemand braucht, Plastik, Junk-Food und mediale Berieselung von morgens bis abends – wenn gewünscht und auch wenn nicht. Macht die Glaskuppel Sinn? Oder ein gezieltes Heranführen, oder einfach diese Dinge als normal anzusehen und nicht dogmatisch alles zu verdammen was nicht „Öko“ und gesund ist? Wie habt ihr das gehandhabt, wann durfte fernsehen geguckt werden, gibt es bei euch strikte Verbote was z.B. Ungesundes angeht? Wir können für unseren Teil jedenfalls sagen, dass wir früher viele Grundsätze hatten – diese aber bereits stark aufgeweicht sind, was viele Sachen angeht. Klar, manchmal wünschten wir uns, selbst konsequenter zu sein. Aber es macht eben auch Spaß, mit der Tochter einen spannenden Film zu schauen und dabei selbstgemachtes Popcorn zu mampfen. Wenn dabei der Strandspaziergang nicht verloren geht und der geschnittene Apfel. Wächst sie eben in einer Welt auf, in der es beides gibt: Gesundes und Ungesundes, Naturmaterialien und Plastik, Sinnvolles und Sinnloses, Jesus und Zombies. So what?

 

1 Gedanke zu “„Ich erklär‘ dir das: Wiederauferstehen können nur Jesus – und Zombies!“

  1. Tja, wie schreibe ich das jetzt am besten… Naja, kontroverse Diskussionen sind ja erwünscht, also schreibe ich einfach drauf los.

    Ich halte nicht viel an Halloween, wenn es nach mir ginge, würde weiterhin die Antwort auf die frage, was hier gefeiert wird „Reformationstag“ lauten. Und das will bei mir als Atheistin schon was heißen.

    Nun geht meine große in den Kindergarten und mit gut 4 Jahren wurde da das erste Mal gefeiert. Mal will das Kind ja auch nicht aus der Gruppe reißen.

    Ich achte darauf, ihr immer wieder den Grund zu nennen, warum sich die Leute (ursprünglich) verkleidet haben.
    Ich erzähle ihr, dass die Leute früher der Meinung waren, es gäbe böse Geister. Die verkleideten schreckgestalten verjagen diese Geister, damit die die Menschen ein weiteres Jahr lang in Ruhe lassen.
    Und für diesen Dienst werden die schreckgestalten mit süßen Sachen belohnt.

    Keine Ahnung, ob es diesen Glauben wirklich gab, aber so habe ich das als Kind gehört und es macht einfach Sinn finde ich.

    Mein großes Mädchen ging also schon zum dritten Mal Halloween laufen dieses Jahr.
    Zum dritten Mal als Hexe.
    Es ist nicht so, dass sie per se unkreativ ist. Sie findet die anderen gestalten zu schaurig und „weißt du, Mama, als Hexe kann ich alle anderen weghexen, wenn ich Angst bekomme“

    Und da sind wir beim eigentlichen Thema angekommen: ist Grusel, Fantasy, Videospiele etc etwas für Kinder?

    Meine Antwort ist da ein eindeutiges nein.

    Solange die Kinder nicht mindestens 10 – 12 Jahre alt sind, hat das in ihrem Leben nichts zu suchen.

    Versteht mich nicht falsch. Meine Töchter spielen auch auf einem Tablet, immer mal wieder. Und auch Fernsehen ist, wie ich zähneknirschend gestehen muss schon sehr lange fester Bestandteil des abendrituale.
    Aber gruselige Szenen oder gar pc-spiele, in denen man gruselige Figuren umbringt sind im Leben der Kröten nicht vertreten.

    Die große hat mit vier Jahren ihren ersten Film gesehen. Disneys Cinderella.
    Und ich habe schwer bereut, ihn nicht vorher nochmal gesehen zu haben.

    Die Szenen mit Kater Luzifer auf mäusejagd sind nämlich viel spannender, als ich das in Erinnerung hatte.

    Die große hat nicht schlecht geträumt, nicht geweint oder abgebrochen. Aber man merkte, dass ihr das schon ziemlich zugesetzt hat.

    Ich bin der Meinung, dass kleine Kinder ruhig unter einer „Glocke“ Leben dürfen und sollen.
    Ich möchte nicht, dass sie mit fantasiewesen (imaginär) Bekanntschaft machen, die sie nicht an ihrem bösen tun hindern können. Für mich ist das Teil dessen, was es ausmacht, sein Kind zu schützen.
    Diese „Glocke“ erweitert sich, während die Kinder größer werden. Meine Große schaut inzwischen problemlos Cinderella und vieles mehr. Aber wenn ihre jüngeren Schwestern dabei sind, muss eben ganz selbstverständlich Rücksicht genommen werden. Von ihr und von uns.
    Wenn „Bibi und Tina“ im fernsehserienformat noch zu spannend ist für die mittlere, muss eben etwas anderes gesehen werden.
    Ich würde auch gerne mal wieder nachmittags ein Videospiel spielen oder auch nur abends einen Actionfilm zu sehen, ohne den Ton bei jeder Kampfszene leiser und bei jedem Dialog wieder lauter zu stellen, weil die Kinder ein Zimmer weiter schlafen.

    Aber es sind nur wenige Jahre. Und so habe ich Geduld, lese mal wieder ein gutes Buch oder mache ein paar Handarbeiten und freue mich auf die Zeit, wenn ich mit meinen Töchtern, die dann eine gefestigte Seele haben und eindeutig zwischen Fiktion und Realität unterscheiden können, die wissen, in welcher Realität sie leben und welche Gefahren uns dort nicht bedrohen können, einen spannenden Film zu sehen oder ein Videospiel zu spielen.

    Natürlich ist eure Maus eine andere Person, vielleicht kann ihre Seele das ab und unterscheiden.
    Meine Kröten(zumindest die älteren, bei der kleinen Hummel kann ich das noch nicht sagen) sind da empfindlicher und ich werde alles dafür tun, sie zu schützen. Auch vor fiktiven Wesen.

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